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Meine Entgegnung zu Unterbergers »Miese Tricks«

Do U want 2 be my Homo? Zuerst ganz allgemein:Ich findes es faszinierend, wie gross die Angst mancher homophoner Menschen ist. So groß, dass sie nicht davor zurückschrecken, Angst, Halb- und Unwahrheiten zu verbreiten. Zumindest die Unwahrheiten möchte ich aber nicht so stehen lassen. Deshalb der Versuch, eine Polemik sachlich zu kommentieren:

Was sich rund um die künftig mögliche Ehe homosexueller Paare abspielt, lässt den Beobachter nur noch ergriffen staunen: Da werden im Vordergrund Scheingefechte um irrelevante Lappalien abgeführt, während die wahren Sauereien im Hintergrund bleiben. Und in der ÖVP begreifen viele nicht, welch verlogenes Spiel da stattfindet. Der Umfaller der Volkspartei geht einzig auf das Konto von Josef Pröll und seiner unmittelbaren Umgebung.

Dieses Argument verstehe ich sehr gut: Die ÖVP ist über ein paar eigene Schatten gesprungen, bleibt aber »die Böse« und wird mit dem EPG keinen Blumentopf gewinnen. Ich war letztens bei einem Gespräch von – nicht dem Verdacht der Linkslastigkeit ausgesetzten – CVern. Und selbst da stossen die willkürlichen Gemeinheiten des EPG auf völliges Unverständnis.

Dass Pröll glaubt, damit ein wählerattraktives Signal zu setzen, hängt zweifellos mit der Unsicherheit eines Mannes mit bäuerlichem Hintergrund angesichts des Großstadtmilieus zusammen.

Whow! So viel Mut zur menschenverachtenden Arroganz lässt mich sogar bei AU staunen!

Der Streit um den Schauplatz (Standesamt versus Bezirkshauptmannschaft) ist eine lächerliche Spiegelfechterei.

Zumindest in diesem Punkt sind wir uns völlig einig. Leider hinterlässt diese Spiegelfechterei ganz ordentliche Verletzungen in der Seele der gekränkten Homo-Paare.

Sind diese Abgeordneten wirklich so dumm, dass sie sich so hineinlegen lassen? Oder sind sie nur feige und charakterlos?

Unter anderem sind sie an die Gesetze der EU gebunden, die die EP als Grundrecht ansieht. Abgesehen davon: Gerade die Neo-Cons argumentieren doch immer, dass sich der Staat aus dem Privatleben heraushalten sollen. Und trotzdem will AU mit im Bett dabei sein und entscheiden, wer mit wem darf?

… dann hat die ÖVP mit ihrer Zustimmung zur „Partnerschaft“ den bisher erfolglosen Klagen beim Verfassungsgerichtshof auf totale Gleichstellung Tür und Tor geöffnet. Das Parlament beschließt also in Kürze de facto eine volle Ehe für schwule Paare.

Smile. Erwischt! Aber wir werden sehen!

Gespannt darf man insbesondere auch sein, wenn Geschwister oder nichtschwule Freunde erstmals für sich die Privilegien der Homo-Ehe einklagen werden. Mit welcher Begründung will man diesen Gruppen dann plötzlich ein Njet entgegensetzen? Nur weil sie nicht sexuellen Verkehr haben?

Das ist mir neu, dass bei der EPG Inzest erlaubt ist.Beim französischen PACS ist das tatsächlich so. Was ich anfangs selbst ein wenig seltsam fand, aber nach einigem Nachdenken logisch finde. Denn was ist denn eine Ehe? Sie ist ein Vertrag, füreinander da zu sein, sich um einander zu kümmern. Der Ausgleich dafür sind die Privilegien, die eine Ehe geniesst: Erbrecht, Pensionsrecht, Vertrauensschutz. Warum also soll ein Geschwisterpaar, das aus welchen Gründen auch immer eine derartige Solidargemeinschaft miteinander eingehen will, derartige Privilegien nicht bekommen?

Dass es für die Zeiten der Kindererziehung ebenfalls Vorteile – wie die Anrechnung für die Pensionszeiten und Kindergeld – gibt, geht für mich völlig in Ordnung. Wenn man von der menschlichen Katastrophe der Überbevölkerung und dem ungerecht verteilten Zugang zu Ressourcen absieht (darf man das?), hat die Gesellschaft ja tatsächlich ein Interesse daran, dass sich die Eltern um ihrer Kinder kümmern können. Aber bitte was hat das mit der Ehe zu tun?

Eine besonders drastische – und bisher völlig verschwiegene – Folge werden künftig die Partnerschaften mit (wirklich oder vorgeblich) Schwulen aus Emigrationsländern sein. Damit wird ein neuer, breiter Weg zu Staatsbürgerschaftsehen eröffnet.

Dieses Argument finde ich das entzückendste überhaupt. Ich stelle mir vor, wie ein türkischer Hetero-Macho sich überlegt: »Hm. Ich will die österr. Staatsbürgerschaft. Ich könnte zwar eine Scheinehe mit einer Österreicherin eingehen. Aber den Unterberger ärgert es viel mehr, wenn ich einen Schwulen heirate. Das kommt zwar bei meinen Landleuten und meiner Familie nicht so gut. Aber egal.«

Hallo?! Lieber Herr Unterberger! Ich habe einige wirklich schwule türkische Freunde. Die würden eher eine Scheinehe mit einer österreichischen Sex-Arbeiterin eingehen als Ihren eigenen Freund zu heiraten. Das tun sie sich nicht an, wenn sie in ihre Familie integriert bleiben wollen. Da braucht es schon ein bisl »verwestlichte Degeneration und säkulare Aufklärung«, die wir von »den Ausländern« zwar einfordern, aber viel zu oft nicht wirklich definieren können, was damit gemeint ist.

Wie etwa jüngst der Fall eines eingeheirateten Sri-Lankesen gezeigt hat. Da hat Österreich nicht einmal die Aktenzahl der Dokumente des Zuwanderers geprüft, der nun nach dem Tod seiner viel älteren Frau Anspruch auf das Erbe, die ASVG-Pension und auch auf die Hinterbliebenenrente des einstigen Arbeitgebers der Frau erhebt.

na schön, dass Herr Unterberger bei der Gelegenheit auch gleich das ausländerfeindliche Ressentiment schürt. Sehr ehrlich und authentisch, dann weiss man gleich woher der Wind weht…

Sehr teuer wird Österreich auch der künftige Anspruch homsexueller Witwer und Witwen auf eine Hinterbliebenenpension kommen. Diese bekommt man ja, ohne dass es Kinder gibt, und ohne dass nur ein Cent zusätzlich ins Pensionssystem einbezahlt worden wäre.

Wie auch rigardi.org richtig schreibt, wäre dieses Argument nur dann glaubwürdig, wenn das Recht auf eine staatliche Pension generell vom Vorhandensein von Nachwuchs abhängig gemacht werden würde. Vielleicht noch mit Mengenrabatt? Ab dem dritten Kind gibt’s zum Mutterkreuz 500€ Pensionszuschlag? *schauder*.

Es gibt nämlich noch immer keinen einzigen Beweis für ein Homosexualitäts-Gen, aber sehr viele statistische Beweise für psychosoziale Zusammenhänge, die zur Homosexualität führen. Daher gilt zweifellos auch: Je positiver sich die Gesellschaft zur Homosexualität stellt, umso häufiger wird es sie geben.

Also ehrlich gesagt, fällt es mir auch da schwer ernst zu bleiben.

Aber der Reihe nach:

  • Homosexualität ist laut Zwillingsforschung ziemlich eindeutig genetisch bedingt. Es dürfte sich aber um ein rezessives Gen handeln, da offensichtlich nicht jeder Träger schwul ist. Interessant ist, dass ein gewisser Anteil homosexueller Familienangehöriger einen darwinistischen Selektionsvorteil bringt, nämlich einen starken mann, der auf eigenen Nachwuchs verzichtet und sich mit den Frauen um die Aufzucht seiner Neffen und Nichten kümmert.

  • wäre Homosexualität eine Folge von Verführung, oder Prägung, dann fragt man sich, warum Menschen, die Erfahrungen mit situativer Homosexualität haben, nicht reihenweise homo bleiben? Soweit ich weiss, gibt es aber nicht wenige Nachkommen von Matrosen, Mönchen, Nonnen, Internatszöglingen und Offizieren.

  • Pathologisiert wurde die Homosexualität erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts. In vielen anderen Kulturen und nicht zuletzt Naturvölkern (zB den Nordamerikanischen Natureinwohnern) ist Homosexualität ziemlich unproblematisch oder sogar als besondere »Begabung« gesehen (worden). Bis die christlichen Missionare gekommen sind.

  • tatsächlich macht es Sinn anzunehmen, dass das Homo-Verbot »erfunden« wurde um in prekären Urzeiten mit hoher Kindersterblichkeit und kurzer Lebenserwartung durch Krankheit und Kriege, homosexuelle Menschen zu zwingen, Kinder zu bekommen. Ist das aber eines aufgeklärten Humanisten des 21. Jahrhunderts, für den sich Andreas Unterberger zweifelsohne hält, wirklich würdig?

  • zuletzt: Wieso hält AU schwul zu sein für so verführerisch und attraktiv, dass er Angst davor hat, ein zu positiver Umgang der Gesellschaft damit führe zur massenweisen Verschwulung? … Ich wüsste schon eine Erklärung. Dann wüsste ich auch, warum wir uns persönlich immer sehr sympathisch waren. Aber ich wollte ja sachlich bleiben… *grins*

schon gibt es einen internationalen Trend, das als „Homophobie“ unter Strafe zu stellen, der mit der Homo-Ehe in Österreich noch stärker werden wird.

Ja und hoffentlich bald! Intoleranz, die dazu führt, dass nicht jeder das tun kann, was er will, so lange er damit niemanden anderen was wegnimmt, sollte generell unter Strafe stehen. Unabhängig ob der Grund für die Diskriminierung ist, Frau zu sein, eine andere Hautfarbe, ein anderes (oder kein) religiöses Bekenntnis oder ein bestimmtest Alter zu haben oder was auch immer.

die Christen, die Wertkonservativen, die Zuwanderungs-Skeptiker und die Verfechter größerer Sparsamkeit

Tolle, decouvierende Mischung. Da platzt es mir schon heraus: Glauben die Christen ernsthaft, Jesus ist begeistert über ihr treiben? Oder wird er ihnen nicht viel mehr liebloses Pharisäertum um die Ohren haun?

Die einzige Hoffnung, dass die aufgezählten Folgen nicht allzu drastisch eintreten, liegt in der Annahme, dass gar nicht so viele Homosexuelle in die Partnerschafts-Ehe drängen werden. I

Ja toll. Aber Herr Unterberger: Wenn es eh niemanden interessiert “homosexuell zu heiraten”:


Wovor fürchten Sie sich?


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  1. Justitia
    24. November 2009, 09:02 | #1

    Gratulation, ein toller Kommentar! Auch ich habe ihm etwas entgegnet, und zwar gleich direkt auf seinem eigenen Blog: http://www.andreas-unterberger.at/2009/11/schwulenehe-die-miesen-tricks/comment-page-2/#comment-7860

  2. 21. November 2009, 22:48 | #2

    Hallo Erik,

    vielen Dank für diese gelungene Entgegnung!

    Ich war heute in Summe einige Stunden auf dem Blog von Unterberger (für ein “Herr” fehlt mir mittlerweile der Respekt), ich habe etliche Kommentare geschrieben und wieder verworfen und bin am Ende zum Schluss gekommen, dass ich dort keine Stellung beziehen will.

    So viele Halbwahrheiten, so viel offensichtliche Homophobie (z.B. “Lesbe/n” kommt kein einziges Mal vor) eines Mannes war mir dann doch zu viel.

    Noch viel schlimmer sind aber die “Gestalten” die sich im Kommentarbereich dieses “Artikels” rumtreiben. Schlimmer geht’s wirklich nimmer!

    Aber es ist kein Wunder wenn man mit derartigen Aussagen derartige Menschen anzieht. Schämen soll er sich der “Herr Dr.” Unterberger.

    Darf ich noch 2 Sachen ergänzen: Unterberger schreibt von 48 geschlossenen gleichgeschlechtlichen Ehen in Schweden seit Einführung im Mai 2009 – selbst wenn diese Zahl stimmt(?) – man sollte der Vollständigkeit halber erwähnen, dass es in Schweden seit 1995(!) eingetragene Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare gibt die von der Ehe-Öffnung selbstverständlich unberührt bleiben.

    Und zweitens heisst es u.a. bei Unterberger: “… Nachgeben gegenüber einigen radikalen Aktivisten, die bei Demonstrationen nur wenige hundert auf die Straße bekommen …”

    Dazu möchte ich anmerken: ich empfand weder die Regenbogenparaden noch die Demo am 13. November als radikal – von “radikalen Aktivisten” kann definitiv keine Rede sein und dass “nur” einige Hundert am 13. Nov. auf die Strasse gingen ist nicht ungewöhnlich wenn es um Minderheitenrechte geht! Bei den Regenbogenparaden geht die Teilnehmerzahl im Übrigen in die Hunderttausend lieber “Herr” Unterberger! Noch dazu sollten Sie wissen, dass wir am 13. Nov GEGEN dieses Gesetz demonstriert haben, weil damit Diskrimierung gesetzlich festgeschrieben wird!

    Shame on you Mr U. ! Wir werden weiter machen und irgendwann werden hoffentlich auch Sie erkennen, dass das Abendland nicht untergeht, wenn man Minderheiten ihre Rechte zugesteht. Lilly Allen hat eine Nachricht für Sie.

  3. Christina
    21. November 2009, 22:11 | #3

    hehehe, schön kommentiert!

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