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Fachkonferenz: Bullying in der Schule. “Anders”-Sein als Risiko?

Stadträtin Sandra Frauenberger, Wien

Stadträtin Sandra Frauenberger, Wien

Frauenberger: “Bereits in Schule Grundstein für tolerantes und solidarisches Zusammenleben legen”

Wien (OTS) – In Wien findet heute, Donnerstag, eine Fachkonferenz zum Thema “Bullying in der Schule – ‘Anders’-Sein als Risiko?” statt, die die Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen (WASt) in Zusammenarbeit mit den Wiener Volkshochschulen im Auftrag von Stadträtin Sandra Frauenberger veranstaltet.

Die Konferenz wendet sich an LehrerInnen, PädagogInnen, PsychologInnen und andere im Bereich Schule und Jugendarbeit Tätige und versammelt international renommierte ExpertInnen wie die Münchner Psychologieprofessorin Dr.in Beate Schuster, den Baseler Psychologieprofessor Dr. Udo Rauchfleisch, Dott. Miles Gualdi von Arcigay Bologna oder die Wiener ExpertInnen Univ.-Prof.in Dr.in Rotraud A. Perner und Ass.-Prof.in Dr.in Andrea Strachota.

Bullying, also aggressives Mobbing unter SchülerInnen, ist eine Form von Gewalt, bei der eine schwächere Person oder Gruppe von Stärkeren wiederholt psychisch, verbal oder körperlich attackiert wird. TäterInnen sind entweder Einzelpersonen oder eine Gruppe, die sich stärker oder einflussreicher als das Opfer fühlen. Charakteristisch für Bullying ist die Absicht, das Opfer zu schädigen, weil es eine Eigenschaft hat, die “anders” ist und daher abgelehnt wird. Oft löst eine (homo)-sexuelle Neigung Bullying-Attacken aus. Aber auch ethnische Herkunft, soziale Stellung, Aussehen, Familienzugehörigkeiten oder Schulleistungen lassen SchülerInnen oft zu Bullying-Opfern werden.

Die Folgen von Bullying sind massiv: Auf Opferseite kann es zum Verlust von Selbstwert, Nervosität, Rückzug, Leistungsabfall, Schulabbruch, zu psychosomatischen Erkrankungen, Angststörungen, Depression, selbstverletzendem Verhalten oder Suizid(versuchen) kommen. Aber auch auf Seiten des Systems Schule gibt es Auswirkungen: Oft sind MitschülerInnen und LehrerInnen mit der Thematik überfordert und schweigen, wenn es zu Übergriffen kommt. Dies verstärkt bei den jugendlichen Opfern das Gefühl der Isolation und Verletzbarkeit. “Homophobe Schimpfworte in Schulen schaffen ein Klima der Intoleranz – gerade jugendliche Lesben und Schwule brauchen aber Unterstützung und Akzeptanz, um die schwierige Phase des Coming-out gut bewältigen zu können”, so Wolfgang Wilhelm von der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen.

“Homosexuelle Jugendliche befinden sich im Unterschied zu anderen von Bullying betroffenen Jugendlichen in einer besonderen Situation: Diese ist gekennzeichnet von Unsicherheit bezüglich der eigenen sexuellen Orientierung und dem mit Einsamkeitsgefühlen verbundenen Aufwachsen in einer heterosexuellen Familie. Außerdem fehlen auch heute noch weitgehend Modelle für gleichgeschlechtliche Lebensentwürfe im persönlichen Umfeld der Jugendlichen. Da in der Pubertät die Sexualität für alle Jugendlichen eine zentrale Rolle spielt und heterosexuelle Jugendliche sich durch gleichgeschlechtlich orientierte Jugendliche leicht verunsichert fühlen, sind homosexuelle Jugendliche verstärkt Aggressionen ausgesetzt”, erklärt der Baseler Psychologieprofessor Udo Rauchfleisch.

“Verhaltensoriginelle SchülerInnen brauchen verhaltensoriginelle LehrerInnen”

Um dieser Gewaltbereitschaft pädagogisch sinnvoll begegnen zu können, fordert die Psychoanalytikerin Rotraud A. Perner von LehrerInnen, parallel zur Unterrichtstätigkeit auch psychische Stützarbeit zu leisten. “Verhaltensoriginelle SchülerInnen brauchen verhaltensoriginelle LehrerInnen”, so Perner, “daher habe ich den Lehrgang PROvokativpädagogik an der Donau Universität Krems konzipiert mit dem Ziel, die Methoden der Psychoanalytischen Sozialtherapie und andere Tools aus der Arbeit mit sozial unangepassten Menschen für den Unterricht nutzbar zu machen.” Ein wesentlicher Kern dieses reformpädagogischen Ansatzes besteht darin, Unbotmäßigkeiten nicht als Kampfangebot, sondern als Spielangebot zu definieren, sowie Methoden zu beherrschen, sowohl die individuelle, wie auch kollektive Stimmung in der Klasse gesundheitsfördernd zu verändern. “Statt dem Kampfgeist soll ein Geist des Miteinander herrschen und statt dem Vernichtungswillen das befreiende Lachen”, so Perner.

Die Ergebnisse der Schoolmates-Studie

Die WASt (Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen) beschäftigt sich im Auftrag von Stadträtin Sandra Frauenberger seit Jahren mit dem Thema Bullying. In den Jahren 2006-2008 hat die WASt an dem EU-Projekt Schoolmates teilgenommen, um homophob motiviertes Bullying zu erforschen und um SchülerInnen und LehrerInnen dafür zu sensibilisieren.

“Hier zeigte sich, dass die Gefahren für homosexuelle Jugendliche deutlich unterschätzt und kaum wahrgenommen werden und homophober Sprachgebrauch weit verbreitet ist. LehrerInnen sind mit der Thematik oft überfordert und wissen nicht, wie sie einschreiten können, wenn es zu Bullying-Attacken kommt”, erklärt Mag. Wolfgang Wilhelm (WASt). Hilfreich, um Bullying zu bekämpfen, sind laut einer Studie, die Teil des EU-Projektes war, vor allem Sensibilisierungsmaßnahmen, aber auch Anti-Bullying-Workshops. Diese sollten besonders männliche Jugendliche ansprechen, denn sie sind häufiger Täter, aber auch häufiger Opfer von homophobem Bullying. Wichtig ist es auch, Diversity als gesellschaftlichen Wert und Chance zu begreifen und mit den unterschiedlichen Diversitätsmerkmalen verbundene Vorurteile konsequent zu bekämpfen und grundlegend aufzuarbeiten.

Frauenberger präsentiert Schoolmates-Handbücher

Als Ergebnis des Schoolmates-Projektes liegen nun drei Handbücher vor, die allen Schulen und Anti-Gewaltinitiativen in Wien zur Verfügung gestellt werden, um Bullying wirksam zu bekämpfen. Sie bieten neben umfassenden Informationen auch konkrete Interventionsmöglichkeiten und Anregungen zur nachhaltigen Prävention von Bullying an. Die Handbücher fokussieren homophob motiviertes Bullying, sind jedoch bewusst so allgemein gültig gestaltet, dass sie gegen jede Form von Bullying sinnvoll eingesetzt werden können. “Alle Wienerinnen und Wiener sollen in dieser Stadt frei von Diskriminierung leben können, und zwar unabhängig von Geschlecht, ethnischer Herkunft, Alter oder sexueller Orientierung. Leider ist dies noch nicht lückenlos gelebte Realität. Deshalb ist es wichtig, bereits in der Schule den Grundstein für ein tolerantes und solidarisches Zusammenleben zu legen. Mit diesen Handbüchern wollen wir dazu einen Beitrag leisten”, unterstreicht die für Antidiskriminierung zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger.

Die Handbücher:

 o Bullying im Klassenzimmer - Ein Handbuch für von Bullying  betroffene Jugendliche,
 o Bullying in der Schule - ein Handbuch für LehrerInnen, um Bullying zu erkennen und zu bekämpfen,
 o Bullying bekämpfen - eine Anleitung für Anti-Bullying-Workshops

können kostenfrei bei der WASt unter www.queer.wien.at (Tel. 01-4000-81449) bezogen werden.

Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:

Mag.a Marianne Lackner
Mediensprecherin StRin Sandra Frauenberger
Telefon: 01 4000-81853
marianne.lackner@wien.gv.at

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